Erfahrungsbericht: Bewässerung mit Aufsätzen für PET-Flaschen

5. Juni 2012 — 12 Kommentare
Verschiedene Bewässerungs-Flaschenaufsätze für PET-Flaschen

Bewässerungs-Flaschenaufsätze von oben nach unten: Blumat XXL Flaschenadapter, Bewässerungshilfe von Gärtner Pötschke, Blumat Flaschenadapter

Ich habe es im vorigen Artikel über Bewässerungssysteme für den Balkon ja schon angekündigt: Hier kommt der Artikel über die Flaschenaufsätze zur Bewässerung von Topfpflanzen und Balkonkästen.

Seit ich meinen Balkongarten habe, suche ich eine einfache und zuverlässige Methode, meine Kästen während kurzer Urlaube oder an besonders heißen Tagen zu bewässern. Meine Kriterien dabei waren:

1. Eine platzsparende Lösung

Mein Balkon ist klein – es ist ein französischer Balkon. Das Bewässerungssystem darf also keinen zusätzlichen Platz beanspruchen. Und auch wenn das System nicht gebraucht wird, soll es sich spurlos entfernen lassen und in der Wohnung keinen Platz weg nehmen.

2. Eine preisgünstige Lösung

Es gibt Bewässerungssysteme für mehr als hundert Euro. Sowas kommt für meinen kleinen Balkon nicht in Frage.

3. Eine flexible, erweiterbare Lösung

Mein Balkongarten ist gewachsen. Genauer gesagt wurden es immer mehr Balkonkästen und -töpfe.  Und die haben je nachdem, was ich angepflanzt habe, auch ständig einen anderen Wasserbedarf. Das System muss sich dem anpassen können.

4. Eine spontane Lösung

Ich habe eine Wochenendbeziehung und einen sehr schnellebigen Job. Manchmal entscheide ich erst Freitag, wo ich mein Wochenende verbringe. Das System muss deshalb schnell installiert sein.

Die Lösung: PET-Flaschen

Schon früh bin ich deshalb auf die Flaschenmethode gestoßen, die im Netz in verschiedenen Foren auf verschiedene Art beschrieben wird. Die Idee dahinter: Eine mit Wasser gefüllte Cola- oder Wasserflasche wird kopfüber in die Erde gesteckt. Das Wasser sickert dann langsam in die Erde – die Pflanzen sind für einige Tage versorgt. Soweit die Theorie.

In der Praxis ist das etwas komplizierter. Zum einen gibt es sehr widersprüchliche Beschreibungen:

  • Mal muss die Flasche ohne Deckel in die Erde, mal mit Deckel (der dann natürlich ein Loch haben muss)
  • Mal muss die Flasche selbst noch ein Loch zum Druckausgleich haben, mal darf sie das auf keinen Fall
  • Mal muss die Erde vorher nass sein, mal muss sie trocken sein.
  • etc.

Ich habe alle Varianten ausprobiert – bei mir hat keine funktioniert. Entweder ist die Flasche zu schnell ausgelaufen und das Wasser ist auf dem Fußweg vor dem Haus gelandet. Oder es hat sich einfach gar nichts getan. Das hat mich nicht befriedigt. Bei weiterer Recherche bin ich dann auf Spitzen gestoßen, die auf die Flaschen geschraubt oder gesteckt werden. Es gibt sie in mindestens zwei Varianten:

  • aus Kunststoff
  • aus porösem Ton

Und beide haben sich auf ihre Art bewährt. Aber es gibt einiges zu beachten.

A) Bewässerungsspitzen aus Kunststoff

In den vergangenen Jahren habe ich vor allem mit den Bewässerungsspitzen aus Kunststoff (hier z.B. von Gärtner Pötschke bei Amazon) experimentiert. Vor allem deshalb, weil das eine vergleichsweise preisgünstige Lösung ist.

Die Vorteile

  • Preisgünstig
  • Passen wirklich auf jede PET-Flasche

Die Nachteile

  • Schwer zu dosieren – Je nach Art der Flasche lassen die Kunststoffspitzen manchmal zuviel Wasser durchlaufen und manchmal zuwenig.
  • Verstopfung – Die winzigen Öffnungen, durch die das Wasser austritt, verstopfen leicht.

Wichtig zu wissen

  • Keine Löcher in den Flaschenboden bohren! – Die Kunststoff-Aufsätze brauchen einen Unterdruck in der Flasche. Mit einem Loch in der Flasche rauscht das ganze Wasser einfach so durch und die Flasche ist in wenigen Stunden leer.
  • Feste PET-Flaschen sind besser, als weiche – Auch das hat etwas mit dem Unterdruck zu tun. Weiche PET-Flaschen knicken bei Unterdruck einfach zusammen und lassen sich deshalb das Wasser zu leicht entziehen.

Fazit

Die Kunststoffaufsätze sind praktisch und man kann damit im Notfall einige Tage überbrücken. Im Hochsommer würde ich aber spätestens nach einem Wochenende sehr nervös werden, ob wirklich alles klappt. Dafür sind sie sehr günstig – man kann sie relativ risikolos einfach mal ausprobieren.

 

B) Bewässerungsspitzen aus porösem Ton

Weil mich die Kunststoff-Spitzen nicht ganz zufriedengestellt haben, habe ich schon lange mit Bewässerungsspitzen aus Ton geliebäugelt. Es gibt sie z.B. von Blumat in verschiedenen Größen.

Die Vorteile

  • Zuverlässig – Der poröse Ton gibt das Wasser sehr gleichmäßig ab. Es läuft nichts über und es kann nichts verstopfen.
  • Berechenbar – Auf den Packungen stehen Richtwerte, etwa 0,2 l/d. Mit einer 2-Liter-Colaflasche kommt man da also über zehn Tage hin. Wenn man weiß, wieviel Wasser ein Kasten ungefähr an einem heißen Tag braucht, kann man sich leicht ausrechnen, wie viele Flaschen man braucht.

Die Nachteile

  • verhältnismäßig teuer – klar, ist ja kein Plastik
  • zerbrechlich – klar, ist ja teilweise aus Ton
  • „Blumat Universal-Flaschenadapter“ passen nicht auf alle PET-Flaschen – Auch wenn die Packung etwas anderes sagt: Die Adapter werden in den Flaschenhals hineingesteckt. Und bei den dickwandigen PET-Flaschen ist die Öffnung um einige Hundertstel-Millimeter zu klein für den Adapter. Die dünnwandigen Flaschen funktionieren aber tadellos.
  • Nicht ganz so einfach zu befüllen – Die Flaschen brauchen ein Loch für den Druckausgleich. Und je nachdem, wo man das Loch bohrt, läuft es beim Auffüllen aus. Aber das ist wirklich nur ein kleiner Nachteil.

Wichtig zu wissen

  • Löcher in den Flaschenboden bohren – Der Ton hält das Wasser zurück. Ein Unterdruck in der Flasche ist nicht nötig.
  • Passt nicht auf dickwandige PET-Flaschen.
  • In große Balkonkästen mindestens zwei bis drei Flaschen stecken – Im Hochsommer brauchen einige meiner Kästen fast einen ganzen Liter.

Fazit

Ton ist meiner Meinung nach das bessere Material, weil es eine zuverlässigere Bewässerung zulässt. Außerdem hat der geringere Kunststoff-Anteil an den Ton-Spitzen sicher auch ökologische Vorteile – obwohl die in diesem Fall für mich eher im Hintergrund stehen. Dafür ist Ton etwas teurer und schwerer. Ich verwende dennoch inzwischen hauptsächlich die Ton-Spitzen.

Hier noch ein paar Bilder von meinem Balkon mit Flaschen:

Disclaimer: Ich bekomme für diese Besprechung weder Geld noch sonst irgendeine Leistung der Hersteller. Ich würde auch nichts davon annehmen. Ich möchte lediglich ehrlich meine Erfahrungen teilen.

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12 Antworten zu Erfahrungsbericht: Bewässerung mit Aufsätzen für PET-Flaschen

  1. 

    Blumat hat für mich und meinen Chef bei der Fortbildung letzten Winter auch am besten geklungen – gut zu wissen, dass es auch in der Praxis gut funktioniert, dann weiß ich, was ich meinen Kunden empfehlen kann. 🙂

  2. 

    Danke, nach solchen Erfahrungsberichten hab ich gesucht, da ich gerade für den hübschen Balkon meiner Zweitwohnung eine Lösung finden muss. Demnach musst du nach ca. 10 Tagen spätestens wieder da sein? (2.Literflasche)

  3. 

    Ich habe in meinen Balkonkästen einen Perlonstrumpf mit Hydrosteinchen gefüllt und in Wasser eingeweicht. In die Balkonkästen habe ich seitlich in ca 5 cm Höhe ein Abflußloch gebohrt, den Strumpf mit dem Granulat ( Ton ) reingelegt und mit Erde aufgefüllt. Auf diese Weise habe ich einen Wasserspeicher, da ich oft unterwegs bin. Das Granulat habe ich deshalb in einen Strumpf gepackt damit ich beim Wechsel der Erde nicht immer rumpulen muß.

  4. 

    Lange einen Erfahrungsbericht gesucht, endlich gefunden. Danke für die ausführliche Beschreibung! Ich suche eine Gießlösung, bei der die Überschwemmung der tieferliegenden Balkone verhindert wird. Werde mir wohl auch die Blumat-Variante besorgen. Was ich mir überlegt habe: bei den Plastikflaschen komplett den Boden abschneiden, dann muss ich sie zum Nachfüllen nicht immer abschrauben, sondern kann das Wasser mit der Gießkanne direkt in die Flasche gießen. Haltet ihr das für praktikabel?

    MfG
    Maria

    • 

      Hallo Maria,

      danke für deinen Kommentar. Ich habe selbst schon darüber nachgedacht, den Flaschenboden abzuschneiden – allerdings habe ich es noch nicht probiert. Zwei Probleme könnte ich mir vorstellen:

      1. Vielleicht erhöht sich die Fließgeschwindigkeit ein wenig, weil sich kein Unterdruck in der Flasche bildet.
      2. Das Wasser wird schneller verunreinigt. Dadurch könnten sich die feinen Poren in der Tonspitze zusetzen.

      Ob und wie sehr das zutrifft, kann allerdings nur ein Experiment klären. Probiere es doch einmal mit einer einzelnen Flasche. Über einen Bericht hier in den Kommentaren würde ich mich freuen!

    • 

      Genau , das ist die Lösung ! Einfach und praktikabel !
      Ich habe das genauso gemacht. ich habe auf meinen Balkon neun Flaschen und bin in exakt zwei Minuten fertig mit dem Wasser nachfüllen.
      MfG Christine

  5. 
    auch Hobbybalkoner 7. März 2014 um 22:54

    Hi, ich habe all diese Aufsätze für Plastikflaschen.
    Mit der Bewässerungsspitze aus Kunststoff bin ich überhaupt nicht zurechtgekommen. In 0,nix war die Flasche leer. Ich habe die Planzen damit ersäuft und den Balkon überschwemmt.
    Die Tonkegel sind ok, aber geben nicht soviel Wasser ab wie die Planze braucht. Bei einem Ø 40cm Topf komm ich da mit einem nicht sehr weit.
    Letztes Jahr habe ich aber auf Youtube etwas entdeckt, das ich genial finde!
    Funktioniert garantiert, hab’s den ganzen Sommer immer wieder praktiziert.
    Schau selbst

  6. 

    Endlich eine Variante die funktioniert und zudem preiswert ist. Bin schwer begeistert und sage danke.

  7. 
    Bruno Ackermann 5. Mai 2016 um 18:32

    Wir haben den Blumomat jetzt 16 Jahre. Jeden Frühling braucht es für die Installation von unseren 12 Balkonkisten viel Zeit. Danach haben wir den ganzen Sommer Ruhe.

Trackbacks und Pingbacks:

  1. Automatische Bewässerungssysteme – Grüner Balkon auch ohne Gießen? « Biobalkon - Juni 9, 2012

    […] ich das Ton-System von Blumat und das Kunststoff-System von Pötschke getestet. Dazu mehr in einem eigenen Artikel. Diesen Artikel empfehlen:PinterestFacebookTwitterMehrTumblrE-MailDruckenGefällt mir:Gefällt […]

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