Automatische Bewässerungssysteme – Grüner Balkon auch ohne Gießen?

30. Mai 2012 — 2 Kommentare

Ich bin wahrscheinlich der einzige Mensch auf der Welt, der sich für seinen Urlaub Regenwetter wünscht. So war es auch am Pfingstwochenende. Über Pfingsten waren für Hamburg nämlich zeitweise mehr als 28 °C und weitgehend wolkenloser Himmel angesagt. Traumwetter für einen Pfingsturlaub. Außer man hat einen Südwest-Balkon mit vielen Pflanzen und ohne schattige Plätze – so wie ich.

Natürlich kenne ich das Problem schon länger. Ich habe eine Fernbeziehung und kann etwa jedes zweite Wochenende meinen Balkon für drei Tage nicht gießen. Und natürlcih war ich auch in den vergangenen Jahren im Sommerurlaub. Aber die bedrohliche Wettervorhersage und die bislang prächtig gedeihenden Tomaten, Zuckererbsen, Radieschen, Kohlrabis und Erdbeeren haben mich bewogen, mal wieder zu recherchieren, wie ich meinen Balkon auch im Sommer mal für ein paar Tage allein lassen kann.

Nicht alle der Methoden, die ich gefunden habe, eignen sich für einen kleinen Mietwohnungs-Balkon wie meinen. Und nur wenige der aufgeführten Methoden habe ich persönlich getestet – das steht dann dabei. Aber der Vollständigkeit halber will ich einfach alle mal hier zusammenfassen:

1. Nachbarn

Okay. Nachbarn sind nicht automatisch. Aber zuverlässige Nachbarn mit grünem Daumen sind sehr beruhigend. Im vergangenen Jahr war eine Nachbarin so nett, meine Kästen und Töpfe zu pflegen. Um es ihr leichter zu machen, hatte ich meine Pflanzen in den Garten hinter unserem Haus gebracht. Das war keine gute Idee. Denn einerseits ist es dort nicht besonders sonnig. Und andererseits gibt es dort Schnecken. Oh, wie ich sie hasse, diese Schleimer, die mir zweimal alle meine Kohlrabis ausgehöhlt haben! Der Garten und die freundliche Nachbarin sind für dieses Jahr also ausgeschlossen – und es hat wirklich nichts mit Ihnen zu tun, Frau Nachbarin!

Pro:

  • evt. zuverlässig auch über längere Zeiträume
  • passt sich dem Wetter und dem Bedarf der Pflanzen an
  • fördert das soziale Miteinander

Kontra:

  • Erfordert soziale Kontakte und zuverlässige Nachbarn
  • Erfordert Vertrauen

2. Blumenkästen mit Wasservorrat

Ein sehr einfaches System scheinen mir Blumenkästen mit Bewässerungseinsatz (Amazon-Link) zu sein. Es gibt sie von verschiedenen Herstellern. Das Prinzip ist bei allen gleich: Der Kasten hat einen doppelten Boden, so dass unter der Erde noch ein Reservoir für Wasser entsteht. Die Wurzeln wachsen bis in das Wasserreservoir und versorgen sich dann selbst, solange Wasser im Reservoir ist.

Die Bewässerungs-Kästen können überall eingesetzt werden, wo auch jeder andere Blumenkasten hinpasst. Je nach Bauart und Größe können die Kästen bis zu 8 Litern Wasser speichern. In meinem durstigsten Kasten würde das bei Hochsommerhitze fast eine Woche reichen. Leider habe ich meine Balkonkästen schon und will mir vorerst keine neuen kaufen. Dieses System ist also aus praktischen Gründen nichts für mich.

Pro:

  • Einfach
  • bis zu einer Woche sehr zuverlässig
  • verhältnismäßig günstig

Kontra:

  • Nicht nachträglich in bestehende Balkonkästen integrierbar

Update: Inzwischen habe ich einen Kasten mit Wasserspeicher ausprobiert und einen Erfahrungsbericht geschrieben.

3. Bewässerungssysteme für mehrere Pflanzgefäße

Es gibt vor allem für große Balkone und Vorgärten Bewässerungssysteme, die aus einer Wasserquelle gleich mehrere bis beliebig viele Pflanzen automatisch versorgen. Einige davon speisen sich aus einem Wasserhahn, andere aus einem Tank oder einem großen Gefäß. Das Wasser wird über Schläuche und Bewässerungskegel oder -spitzen, die in die Kästen gesteckt werden – in die Erde geleitet. Allen Systemen gemeinsam ist, dass sie einiges an Installation und Planung benötigen und dass verhältnismäßig teuer sind. Hier zwei Beispiele, die mir ins Auge gefallen sind:

  • Gardena Urlaubsbewässerung (Amazon-Link): Pumpt einmal täglich elektrisch Wasser in Töpfe und Kästen.
  • Tropf-Blumat Bewässerungs-Set (Amazon-Link): Automatische Bewässerung ohne Pumpe – das System nutzt Druckunterschiede aus. Tonkegel „fühlen“ die Feuchtigkeit in der Erde und ziehen bei Bedarf Wasser nach, das dann auf die Erde tropft. Kann auch an die Wasserleitung angeschlossen werden.

Beide Systeme – und alle ähnlichen – brauchen Platz für den Wassertank und erfordern eine besondere Anordnung der Pflanzgefäße. Und Platz ist auf einem französischen Balkon weißgott nicht. Aber den Nerd in mir reizt dieses Prinzip ein wenig.

Pro:

  • auch über längere Zeit zuverlässig
  • keine Nachbarn nötig
  • jederzeit nachträglich installierbar oder erweiterbar

Kontra:

  • braucht Platz
  • erfordert Installation und Einarbeitungszeit
  • recht teuer

4. Punkt-Bewässerungssysteme mit individuellem Wasservorrat

Eine abgespeckte Variante der vorher genannten sind Bewässerungskegel oder –spitzen, die mit einem eigenen Wasservorrat in die Erde gesteckt werden. Die Kegel gibt es aus Ton, Kunststoff oder Glas – das Wasserreservoir ist jeweils direkt oberhalb des Kegels. Hier gibt es einige Beispiele:

Pro:
– spontan anzubringen und auch wieder zu entfernen
– verhältnismäßig günstig
– je nach System mehr oder weniger gut dosierbar
– Versorgungsdauer nur durch Größe des Wasserreservoirs begrenzt

Kontra:
– je nach System und Pflanzen vielleicht auch nicht so gut dosierbar
– bei den Flaschenadaptern braucht man für einen großen Balkon auch viele leere Flaschen auf Vorrat

Fazit & Erfahrungsbericht

Für unterschiedliche Ansprüche und Balkongärtner-Typen gibt es sehr vielfältige Lösungen. Eine Patentlösung für alle Bewässerungsfragen gibt es nicht. Für meinen kleinen Balkon habe ich ein System gesucht, dass ich spontan am Freitagmorgen vor der Arbeit noch anbringen kann und dass die Pflanzen sicher auch über ein langes Wochenende oder mehr bringt. Ich habe mich daher schon vor Jahren für die Flaschenadapter-Methode entschieden. Inzwischen habe ich das Ton-System von Blumat und das Kunststoff-System von Pötschke getestet. In einem eigenen Artikel habe ich meine Erfahrungen mit zwei Balkon-Bewässerungssystemen für PET-Flaschen zusammengefasst.

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2 Antworten zu Automatische Bewässerungssysteme – Grüner Balkon auch ohne Gießen?

  1. 

    Ach, dass man sich für den Urlaub Regen wünscht, ist bei Gärtnern ganz normal – und nicht nur bei Balkongärtnern. 🙂
    Ich bin schon neugierig auf deine „Untersuchungsergebnisse“ – ich kenn Bewässerungssysteme bis jetzt nur aus einer Fortbildung letztes Jahr, selber ausprobiert hab ich sie noch nicht. Da bin ich zu geizig dafür, und außerdem hab ich eine brave und gartenerfahrene Mama in der Nähe. 😉

Trackbacks und Pingbacks:

  1. Erfahrungsbericht: Bewässerung mit Aufsätzen für PET-Flaschen « Biobalkon - Juni 5, 2012

    […] habe es im vorigen Artikel über Bewässerungssysteme für den Balkon ja schon angekündigt: Hier kommt der Artikel über die Flaschenaufsätze zur Bewässerung von […]

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