Archive für Torf

Gestern habe ich über das Kokos-Torf-Dilemma geschrieben. Für die Erde im Balkonkasten gibt es ja außer Kokos und Torf noch etliche ökologisch vertretbare Alternativen. Für die Anzucht von jungen Pflanzen jedoch nutze ich aus praktischen Gründen Quelltabletten und ein Anzucht-Gewächshaus. Dafür hatte ich schon vor Jahren eine große Packung Quelltabs gekauft. Und unwissend, wie ich war, habe ich natürlich Torf-Quelltabs gekauft.

Nachdem meine letzten torfhaltigen Tabletten in diesem Frühjahr endlich zur Neige gingen, habe ich mir also eine Alternative gesucht. Zu meiner freudigen Überraschung konnte ich feststellen, dass mein Stamm-Gartenmarkt gar keine Quelltabletten mit Torf mehr führt. Dort gibt es nur noch Kokos-Quelltabletten wie diese (Amazon-Link). Auch die kompostierbaren Anzuchttöpchen und Anzuchtschalen sind dort mittlerweile nur noch aus Kokos erhältlich. Ich habe in diesem Jahr also in meinem Anzuchtgewächshaus eine spannende Situation: Die letzten Torf-Quelltabletten konkurrieren mit den neuen Kokos-Quelltabletten.

Hier meine Beobachtungen:

  • Kokos quillt schneller.
  • Kokos ist grobkörniger.
  • Torf ist fester und dichter.
  • Torf schimmelt schneller.
  • Besonders auffällig: Die Keimrate ist im Kokos höher als im Torf. Da ich allerdings keine wissenschaftlichen Bedingungen habe und auch nur eine eher kleine Fallzahl, kann das auch an der Saatgut-Qualität und am Zufall liegen.

Hier mal ein Beweisfoto:

Quelltabletten Kokos vs. Torf

Das rötlichere Substrat links ist Kokos. Das dunklere auf der rechten Seite ist Torf. Deutlich ist zu sehen, dass Kokos bei der Keimrate die Nase vorn hat. Und das, obwohl die Torf-Quelltabs sogar noch einen Tag Vorsprung hatten. Aber wie gesagt: Das ist keine wissenschaftliche Studie und kann viele Gründe haben. Allerdings würde mich mal interessieren, ob ihr vielleicht ähnliche Beobachtungen gemacht habt. Wenn ja würde ich mich über einen Kommentar freuen.

In den Amazon-Kommentaren steht übrigens vereinzelt, dass Pflänzchen in den Kokos-Tabs zu wenige Nährstoffe haben und deshalb eher eingehen. Ich werde das mal beobachten. Für so eine Aussage ist es bei mir definitiv noch zu früh.

Update vom 19. April 2013:

Auch mit zwei Wochen Abstand hat sich das Ergebnis nur erhärtet:

  • Die Keimrate bei Torf ist hinter der vom Kokos geblieben.
  • Kein einziges der Kokos-Tabs ist bisher geschimmelt.
  • Und was die Nährstoff-Armut angeht, die vereinzelt bei Amazon kritisiert wird: Ich kann das nicht bestätigen. Meine Pflänzchen stehen alle voll im Saft. Wenn sich daran noch was ändert, schreibe ich es natürlich hier rein.

Bis jetzt also: Klare Empfehlung für die Kokos-Tabs!

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Seit mich vor einiger Zeit ein Artikel vom Gartengnom auf die Torf-Problematik aufmerksam gemacht hat, drehe ich jeden Sack Erde zweimal um. Ich habe über die Auswahl der Erde auch bereits gebloggt. Damals hat ein Kommentator Kokosubstrat in gepressten Briketts empfohlen. Diese gibt es schon seit längerem im Biohandel und in Fair-Trade-Geschäften. Ich war damals jedoch skeptisch, denn Kokospalmen sind in Norddeutschland nicht heimisch – Kokoserde muss also zu uns geschifft werden. Außerdem gibt es im Gartenhandel durchaus Erde ohne Torfanteil. Dennoch schrieb ich, ich wolle der Sache eine Chance geben.

Hier einmal ein paar Überlegungen zu Kokos und Torf aus ökologischer Sicht:

  1. Optimal ist beides nicht.
  2. Torfabbau zerstört Moore – ein Biotop, das Jahrhunderte braucht, um zu wachsen.
  3. Kokos wird aus Übersee hierher gebracht. Torf gibt es – zumindest in Norddeutschland – vor der Haustür.
  4. Über Jahrhunderte war der Abbau und die Nutzung von Torf ein alltäglicher Nebeneffekt der Trockenlegung der Moore. Nur so konnten in Norddeutschland ausreichend Flächen für die Landwirtschaft entstehen. Torf wurde als Heizmaterial genutzt. In Teilen Schottlands wird immer noch über brennendem Torf Gerstenmalz getrocknet – der Torfrauch verleiht vielen außergewöhnlichen Whiskys seinen Charakter. Aber: Inzwischen sind Torfmoore in Deutschland selten. Die übriggebliebenen Moore sind einzigartige Biotope – viele davon sind Naturschutzgebiete.
  5. Kokos ist ein nachwachsender Rohstoff.
  6. Getrocknete und gepresste Kokosfaser ist darüberhinaus sehr leicht. Ich habe leider keine Zahlen dazu gefunden. Aber aus einem Brikett Kokoskonzentrat (ca. 600 g) kann man 10 Liter Erde erzeugen. Kokos lässt sich also effizienter packen und kraftstoffärmer transportieren. Ich weiß jedoch nicht, ob das die Mehrbelastung der langen Reise ausgleicht.

Aus meiner Sicht bleibt es ein Dilemma. Dennoch habe ich neulich einige Kokos-Briketts gekauft (ähnlich diesen hier bei Amazon) gekauft und werde sie in diesem Jahr ausprobieren, sobald das Wetter wärmer ist. Natürlich werde ich hier im Blog darüber berichten. Falls jemand schon Erfahrungen mit Kokos-Substrat hat, freue ich mich über Kommentare!

Einer der Leser des Schrot&Korn-Artikels hat mich per eMail gefragt, welche Erde ich eigentlich verwende. „Doch wohl hoffentlich nicht die aus dem Supermarkt.“ Das ist eine gute Frage, auch wenn meine Antwort ernüchternd ist: Ich verwende Standard-Balkonkastenerde aus dem Gartenmarkt um die Ecke.

Das liegt zum einen daran, dass ich mir und meiner Umwelt ein eigenes Auto erspare und meine Erde daher tragen muss. Zum anderen daran, dass der Gartenmarkt um die Ecke eine eher eingeschränkte Auswahl hat. Dennoch gibt es ein paar Sachen, auf die man als umweltbewusster Balkon-Gärtner achten kann und sollte.

Zwei Hände halten ein bisschen mit Humus angereicherte sandige Erde.
Foto: Dirt before and after von RJL20 (CC BY-SA)

1. Am liebsten selbstgemachte Komposterde

Das beste, was dem Balkongarten passieren kann, ist natürlich Komposterde aus dem eigenen Garten. In der Stadt ist das allerdings ein Problem – wer hat schon einen Komposter oder Komposthaufen im Hinterhof. Es gibt jedoch Alternativen – z.B. den kleinen Balkon-Komposter (PDF) oder eine Wurmfarm. Für meinen Balkon und meine kleine Wohnung ist leider beides nicht geeignet.

Kompost kann man aber auch fertig kaufen. Im Gartenmarkt, natürlich. Ein Geheimtip ist jedoch die Müllabfuhr: In vielen Städten verkauft die Stadtreinigung den Kompost, der aus dem abgeholten Biomüll produziert wird, zu Spitzenpreisen. In Hamburg beispielsweise kosten 30 Liter gerade mal 3 Euro – größere Mengen gibt es noch viel billiger. Der Haken: Man muss die Erde selbst abholen.

2. Keine Erde aus Hochmoortorf

In fast allen günstigen Erden, die man so kaufen kann, ist zumindest ein Anteil an Torf enthalten. Dieser Torf stammt in der Regel aus Hochmooren. Diese einzigartigen, Jahrtausende alten Biotope werden durch den Abbau des Torfs großflächig zerstört und erholen sich auch nach einer „Renaturierung“ nie mehr vollständig.

Der Gartengnom hat das Torf-Verhängnis noch ausführlicher erklärt.

3. Kein Guano-Anteil

Eine absolute Bio-Mogelpackung ist Guano. Guano ist kurz gesagt Vogelscheiße. Das klingt zwar wie Bio-Dünger und immerhin besser als Chemie. Bei genauer Betrachtung ist Guano jedoch nicht ökologisch, da sein Abbau unter anderem den Humboldt-Pinguinen in Chile den Lebensraum nimmt. Auch hierzu hat der Gartengnom einen lesenwerten Artikel.

4. Transportwege beachten

Selbst wenn Erde ohne Torf und Guano ist, ist sie noch lange nicht ökologisch. Denn dafür ist auch ausschlaggebend, wie weit die Erde bis zu euch transportiert werden musste – Stichwort CO₂ und Klimabilanz. Die beste Wahl in dieser Hinsicht ist natürlich die Erde, die direkt vor eurer Haustür oder in eurem Garten ist. Oder die, die ihr wenigstens selbst zu Fuß transportieren könnt.

Fazit: Bio-Erde ist nicht immer ökologisch

Je nach Zusammensetzung und Transportweg ist Erde im Sack etwas mehr oder weniger Unökologisches. Wenn es – wie in meinem Fall – unbedingt Sackerde sein muss, dann sollte man wenigstens auf Torf und Guano achten. Aber es führt kein Weg daran vorbei: Die beste Erde ist die, die man schon hat. Und mit frischem Kompost oder eigenem Dünger kann man jede Erde veredeln. (Einen Artikel zum Dünger bereite ich vor, versprochen.)