Archive für Anzucht

Gestern ist mir ein Malheur passiert. Ich habe einige meiner zarten Tomatenpflänzchen vom sonnigen Fensterbrett auf den Balkon gebracht, um sie dort in ihre großen Töpfe umzupflanzen. Natürlich wollte ich sie später wieder reinholen – denn im Moment ist es zwar frühlingshaft warm hier in Hamburg-Eimsbüttel. Aber auch windig. Und bis zu den Eisheiligen stelle ich meine Tomaten höchstens stundenweise raus.

Und dann kam es, wie es kommen musste. Das Telefon klingelt. Im Radio eine interessante Reportage. Zwischendurch noch aufgeräumt. Und dann der Schreck: Die Tomaten sind noch auf dem Balkon!

Wie gesagt: Es war zwar frühlingshaft warm. Aber im Schatten ist es dennoch frisch. Und Wind weht in Hamburg immer. Von den sechs vergessenen Pflänzchen sahen drei noch ganz gut aus. Die anderen drei dagegen haben alles hängen lassen, was ihnen in den letzten Tagen so gewachsen war. Ein trauriger Anblick:

 

Halb erfrorene junge Tomatenpflanze

Vorher

 

Die Blätter schlaff und eingerollt, der Stängel kraftlos. Die kleineren Pflanzen lagen direkt auf der Erde. Da hilft nur schnell keine Zeit verlieren.

Ich war zugegebenermaßen etwas ratlos. Aber das, was ich in meiner Not probiert habe, hat so bombenmäßig funktioniert, dass ich es hier teilen möchte. Zunächst habe ich die Pflanzen natürlich nach drinnen auf das sonnige Fensterbrett gebracht. Dann habe ich die Erde mit warmem Wasser gegossen. Und schließlich habe ich über die elendigsten Pflänzchen noch Marmeladengläser gestülpt und ihnen so ein Mini-Treibhaus gebaut:

Halb erfrorene junge Tomatenpflanze unter Glas

Das Ergebnis hat mich selbst überrascht. Als ich etwa eine Stunde später wieder hingeschaut habe, waren die Pflänzchen unter den Gläsern wieder straff – bis auf ein paar Blessuren, die wahrscheinlich auch nicht mehr weggehen. Die Pflänzchen ohne Gläser hatten sich nur wenig erholt. Also habe ich die Marmeladengläser einfach umgesetzt und über die noch immer schlaffen Pflänzchen gestülpt. Und siehe da: Auch hier war innerhalb einer Stunde wieder fast alles im Lot.

Wenn Eure ganz jungen Tomatenpflanzen also einen Kälteschock abgekriegt haben, probiert es mal mit dieser Kombination:

  • Sonniges Fensterbrett ohne Zug
  • Erde mit warmem Wasser gießen
  • Gläser drüberstülpen (Gewächshaus-Effekt)

 

Viel Erfolg!

 

 

Junge Tomatenpflanze nach auskuriertem Kälteschock

Nachher

 

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Gestern habe ich über das Kokos-Torf-Dilemma geschrieben. Für die Erde im Balkonkasten gibt es ja außer Kokos und Torf noch etliche ökologisch vertretbare Alternativen. Für die Anzucht von jungen Pflanzen jedoch nutze ich aus praktischen Gründen Quelltabletten und ein Anzucht-Gewächshaus. Dafür hatte ich schon vor Jahren eine große Packung Quelltabs gekauft. Und unwissend, wie ich war, habe ich natürlich Torf-Quelltabs gekauft.

Nachdem meine letzten torfhaltigen Tabletten in diesem Frühjahr endlich zur Neige gingen, habe ich mir also eine Alternative gesucht. Zu meiner freudigen Überraschung konnte ich feststellen, dass mein Stamm-Gartenmarkt gar keine Quelltabletten mit Torf mehr führt. Dort gibt es nur noch Kokos-Quelltabletten wie diese (Amazon-Link). Auch die kompostierbaren Anzuchttöpchen und Anzuchtschalen sind dort mittlerweile nur noch aus Kokos erhältlich. Ich habe in diesem Jahr also in meinem Anzuchtgewächshaus eine spannende Situation: Die letzten Torf-Quelltabletten konkurrieren mit den neuen Kokos-Quelltabletten.

Hier meine Beobachtungen:

  • Kokos quillt schneller.
  • Kokos ist grobkörniger.
  • Torf ist fester und dichter.
  • Torf schimmelt schneller.
  • Besonders auffällig: Die Keimrate ist im Kokos höher als im Torf. Da ich allerdings keine wissenschaftlichen Bedingungen habe und auch nur eine eher kleine Fallzahl, kann das auch an der Saatgut-Qualität und am Zufall liegen.

Hier mal ein Beweisfoto:

Quelltabletten Kokos vs. Torf

Das rötlichere Substrat links ist Kokos. Das dunklere auf der rechten Seite ist Torf. Deutlich ist zu sehen, dass Kokos bei der Keimrate die Nase vorn hat. Und das, obwohl die Torf-Quelltabs sogar noch einen Tag Vorsprung hatten. Aber wie gesagt: Das ist keine wissenschaftliche Studie und kann viele Gründe haben. Allerdings würde mich mal interessieren, ob ihr vielleicht ähnliche Beobachtungen gemacht habt. Wenn ja würde ich mich über einen Kommentar freuen.

In den Amazon-Kommentaren steht übrigens vereinzelt, dass Pflänzchen in den Kokos-Tabs zu wenige Nährstoffe haben und deshalb eher eingehen. Ich werde das mal beobachten. Für so eine Aussage ist es bei mir definitiv noch zu früh.

Update vom 19. April 2013:

Auch mit zwei Wochen Abstand hat sich das Ergebnis nur erhärtet:

  • Die Keimrate bei Torf ist hinter der vom Kokos geblieben.
  • Kein einziges der Kokos-Tabs ist bisher geschimmelt.
  • Und was die Nährstoff-Armut angeht, die vereinzelt bei Amazon kritisiert wird: Ich kann das nicht bestätigen. Meine Pflänzchen stehen alle voll im Saft. Wenn sich daran noch was ändert, schreibe ich es natürlich hier rein.

Bis jetzt also: Klare Empfehlung für die Kokos-Tabs!

Seit mich vor einiger Zeit ein Artikel vom Gartengnom auf die Torf-Problematik aufmerksam gemacht hat, drehe ich jeden Sack Erde zweimal um. Ich habe über die Auswahl der Erde auch bereits gebloggt. Damals hat ein Kommentator Kokosubstrat in gepressten Briketts empfohlen. Diese gibt es schon seit längerem im Biohandel und in Fair-Trade-Geschäften. Ich war damals jedoch skeptisch, denn Kokospalmen sind in Norddeutschland nicht heimisch – Kokoserde muss also zu uns geschifft werden. Außerdem gibt es im Gartenhandel durchaus Erde ohne Torfanteil. Dennoch schrieb ich, ich wolle der Sache eine Chance geben.

Hier einmal ein paar Überlegungen zu Kokos und Torf aus ökologischer Sicht:

  1. Optimal ist beides nicht.
  2. Torfabbau zerstört Moore – ein Biotop, das Jahrhunderte braucht, um zu wachsen.
  3. Kokos wird aus Übersee hierher gebracht. Torf gibt es – zumindest in Norddeutschland – vor der Haustür.
  4. Über Jahrhunderte war der Abbau und die Nutzung von Torf ein alltäglicher Nebeneffekt der Trockenlegung der Moore. Nur so konnten in Norddeutschland ausreichend Flächen für die Landwirtschaft entstehen. Torf wurde als Heizmaterial genutzt. In Teilen Schottlands wird immer noch über brennendem Torf Gerstenmalz getrocknet – der Torfrauch verleiht vielen außergewöhnlichen Whiskys seinen Charakter. Aber: Inzwischen sind Torfmoore in Deutschland selten. Die übriggebliebenen Moore sind einzigartige Biotope – viele davon sind Naturschutzgebiete.
  5. Kokos ist ein nachwachsender Rohstoff.
  6. Getrocknete und gepresste Kokosfaser ist darüberhinaus sehr leicht. Ich habe leider keine Zahlen dazu gefunden. Aber aus einem Brikett Kokoskonzentrat (ca. 600 g) kann man 10 Liter Erde erzeugen. Kokos lässt sich also effizienter packen und kraftstoffärmer transportieren. Ich weiß jedoch nicht, ob das die Mehrbelastung der langen Reise ausgleicht.

Aus meiner Sicht bleibt es ein Dilemma. Dennoch habe ich neulich einige Kokos-Briketts gekauft (ähnlich diesen hier bei Amazon) gekauft und werde sie in diesem Jahr ausprobieren, sobald das Wetter wärmer ist. Natürlich werde ich hier im Blog darüber berichten. Falls jemand schon Erfahrungen mit Kokos-Substrat hat, freue ich mich über Kommentare!

Ich liebe diese Zeit im Gartenjahr. Die ersten Tomatensamen sind angesetzt. Und immer, wenn ich abends ins Anzucht-Gewächshaus schaue, hat sich wieder was getan: Hier ein neuer Keim, da ein paar neue Blätter.

Tomaten-Sprösslinge verschiedener Arten im Anzucht-Gewächshaus

Tomaten-Sprösslinge verschiedener Arten im Anzucht-Gewächshaus

Meine Gartensaison habe ich mit der Aussaat von Tomaten, Peperoni und Pflücksalat begonnen. Dieses Jahr habe ich eine Premiere auf dem Balkon. Es gibt nämlich erstmals fünf verschiedene Tomatensorten. Von Freunden und der Familie habe ich interessante Balkonsorten bekommen. In diesem Jahr freue ich mich also auf:

  1. die Sorte „Ildi“, die ich aus der Schweiz importiert habe
  2. den „Balkonzauber“, der noch irgendwie in meiner Samenschachtel rumflog
  3. die namenlosen Topftomaten, die mir Pascal freundlicherweise geschenkt hat und die sich bei seinem Opa angeblich seit vielen Jahren bewähren
  4. die kleine „Gelbe Johannisbeere“ von meinem Vater, die mir letztes Jahr die Ernte gerettet hat
  5. die Topftomate „Totem“, die ich ebenfalls aus der Schweiz mitgenommen habe (ist die Einfuhr von Saatgut in die EU eigentlich reguliert?)

Und jetzt bestaune ich jeden Tag die Fortschritte, die die Kleinen machen. Hach…

Dieses Jahr habe ich mir mit der Anzucht der Tomaten Zeit gelassen. In den vergangenen Jahren konnte ich es oft nicht abwarten und habe schon Ende Januar die ersten Tomatensamen quellen lassen. Das hat sich nicht so bombig bewährt:

  1. Im Februar ist es in Hamburg einfach noch nicht sonnig genug. Das führt dazu, dass die kleinen Pflänzchen in der Heizungswärme zwar prächtig aufgehen, aber dann das Licht suchen, lang und geil wachsen und leider eher schwach werden.
  2. Die Pflanzen brauchen mehr Platz. Je früher die Pflanzen ausgesät werden, desto länger müssen sie drin bleiben. Normalerweise kommen Tomaten erst frühestens nach den Eisheiligen auf den Balkon – also frühestens Mitte Mai, in kalten Jahren sogar erst Ende Mai. Von Ende Januar bis Ende Mai sind es vier Monate – in der Zeit wachsen Tomaten schon ganz beachtlich. Und je größer die Planzen werden, desto enger wird es auf dem Fensterbrett.
  3. Unser Balkon ist – wie bereits beschrieben – ein Nordwestbalkon mit Nachmittagssonne. Aber erst ab April – davor fällt kein Sonnenstrahl auf den Balkon. Es würde den kleinen Licht-Liebhabern also gar nichts bringen, wenn ich sie schon vor den Eisheiligen stundenweise raussetze. Dazu ist es einfach noch nicht hell genug.

Jetzt hoffe ich, dass mein Plan aufgeht und dass ich im Mai ein paar schöne, gesunde und kräftige Tomatenpflanzen habe. Dass der Sommer warm und lang wird. Und dass es überhaupt mal langsam Frühling wird!

Ich esse für mein Leben gern frischen Kohlrabi. Roh und schnurpsig muss er sein, saftig und zart. In irgendeinem Balkon-Gemüse-Buch und in einigen anderen Blogs (z.B. hier im Gärtnerblog und in Mein Nasch-Balkon) hatte ich schon gesehen, dass sich Kohlrabi auch für Balkonkästen eignet. Auf den Fotos sah er prächtig aus: mit riesigen Blättern und schönen vollen Knollen. Ich war bis erst ein wenig skeptisch, habe es aber im vergangenen Jahr trotzdem versucht. Leider hatte ich den Kasten im vergangenen Frühjahr kurz in unserem Hinterhof stehen – lang genug für die Schnecken, die mir die noch jungen Knollen sauber ausgehöhlt haben. Aber so leicht gebe ich nicht auf. Und deshalb gibt es in diesem Jahr noch einmal neu auf dem Biobalkon: Kohlrabi!

Eigentlich wollte ich blaue und weiße Knollen mischen. Leider sind die blauen Pflänzchen nicht so gut angegangen wie die weißen – es ist nur noch eine blaue Pflanze übrig, und die sieht nicht besonders knollig aus. Im Gegensatz zu den weißen Pflanzen. Bei denen sieht man inzwischen schon, was einmal die Kohlrabi-Knolle werden soll:

Kohlrabipflanze im Balkonkasten, ca. 6 Wochen alt

Chilipflanze im Balkonkasten

Heute habe ich es endlich geschafft, meine selbstgezogene Chilipflanze auszupflanzen. Eigentlich ist es schon etwas spät, die Pflanze hat schon die ersten Blütenansätze. Aber ich hatte ein wenig Angst vor den letzten Nachtfrösten. Die sind jetzt laut Wetterprognose in Hamburg nicht mehr zu erwarten. Also hängt meine Chilipflanze jetzt im Balkonkasten in der Sonne – in Mischkultur übrigens mit Schnittlauch, der jetzt, im zweiten Jahr, so richtig kräftig treibt.

Frisch eingetopfte Tomatenpflanzen - etwa 5-6 Wochen alt – Sorte: Tumbling Tom Red

Ein Vorteil eines Balkongartens ist, dass man auf Jahreszeiten und Frost nicht so viel Rücksicht nehmen muss. Da die Pflanzgefäße normalerweise problemlos tragbar sind, kann man sie im Notfall jederzeit in Sicherheit bringen.

Deshalb habe ich mich schon heute entschieden, meine Tomatenpflanzen in ihre Töpfe zu setzen. Meine Pflänzchen vom Februar haben sich in der Sonne der ersten Frühlingstage nämlich zu prächtigen, kräftigen Pflanzen entwickelt. Letztes Jahr um diese Zeit hatte ich noch nicht einmal mit der Ausssaat begonnen. Natürlich müssen sie noch ein paar Wochen warten, bis sie raus können. Aber immerhin warten sie im schönsten Gewächshaus von Hamburg: meinem Wohnzimmer. Hach, Tomate müsste man sein…

Monatserdbeere Rügen – immertragend

Erdbeeren haben im letzten Jahr hervorragend funktioniert auf dem Balkon. Die Südseite und die viele Sonne haben große, saftige Erdbeeren hervorgebracht. Und schon im letzten Jahr habe ich mir vorgenommen, in meinem Erdbeer-Kasten in diesem Jahr neben einer Pflanze und einem Ableger aus dem letzten Jahr eine Monatserdbeere Rügen auszuprobieren. Diese Sorte ist immertragend. Der Vorteil: Erdbeeren den ganzen Sommer lang! Außerdem hängen die Erdbeeren an langen Ranken und sehen so noch verlockender im Balkonkasten aus. Ich bin gespannt. Es wird sicher Fotos hier geben.

Die Pflanze auf dem Foto habe ich schon im November ausgesät – um ehrlich zu sein ist sie die einzige Überlebende einer Spinnmilben-Invasion. Inzwischen steht die Pflanze tagsüber auch schon mal draußen im Sonnenschein.

Anzucht von Tomaten für den Anbau im Balkonkasten

Nachdem die Tomaten in 2010 trotz des späten Starts doch noch ganz gut geworden sind, will ich auch in 2011 wieder Tomaten am Balkongitter haben. Deshalb habe ich mit von den selbstgezogenen Tumbling Tom im vergangenen Herbst ein paar Samen gewonnen. Aber anders als im letzten Jahr habe ich diesmal früher angefangen – nämlich schon Mitte Februar. Auf Easyplant will ich in diesem Jahr nämlich verzichten.

Genau wie bei den Chilis habe ich auch bei den Tomaten auf die Keimbeutel-Methode gesetzt. Und habe auch die selben Probleme, wie bei den Chilis: Die Keimrate ist leider nur mittelmäßig. Im Moment habe ich sechs Pflanzen, zu Sicherheit werde ich nochmal ein paar neue nachziehen.

Generell nutze ich für die Anzucht ein einfaches Zimmer-Gewächshaus mit Torf-Tabs. Das hat schon im letzten Jahr gut Funktioniert. Auch das Pikieren ist einfach mit den Torf-Tabs: Hülle mit einem scharfen Messer anritzen, Torf von den Wurzeln vorsichtig abkrümeln und die Pflänzchen in die neue Erde setzen. Aber das werde ich erst in einer Woche machen müssen…